Die römisch-katholischen und unierten Kirchen

Die römisch-katholischen und unierten Kirchen gehören zur Kirchengemeinschaft von Rom und erkennen das Primat sowie die spirituelle Autorität des Papstes an (der als Bischof von Rom das alte Patriarchat des Westens innehat). In liturgischen Fragen folgen die mit Rom verbundenen Ostkirchen allerdings ihren eigenen Sprachen und Traditionen.

Unabhängig davon, wie die frühen Beziehungen zwischen Rom und Konstantinopel beschaffen gewesen sein mögen, hatte es niemals einen Versuch gegeben, im Heiligen Land eine westliche, vom existierenden orthodoxen Patriarchat unabhängige Kirche einzurichten. Das galt bis zur Gründung des Lateinischen Patriarchats von Jerusalem zur Zeit des Königreichs der Kreuzfahrer (1099-1291). Erst 1847 wurde das Amt des lateinischen Patriarchen aufs Neue konstituiert. Bis zu diesem Zeitpunkt lag die Verantwortung für die einheimische Kirche in Händen des Franziskanerordens, der seit dem 14. Jahrhundert als lateinischer Kustos für die heiligen Stätten verantwortlich gewesen war.

Heute wird das lateinische Patriarchat von Jerusalem von einem Bischof geführt, der den Patriarchentitel trägt. Ihm stehen drei Vikare zur Seite, die in Nazareth, Amman und Zypern residieren. In jüngsten Jahren kam für die Hebräisch sprechenden Kirchengemeinden des Landes ein vierter Vikar hinzu. Umgangssprachlich werden die einheimischen römischen Katholiken in Anlehnung an ihre historische liturgische Sprache als "Lateiner" bezeichnet. Seit dem Zweiten Vatikanischen Konzil jedoch wird die römisch-katholische Liturgie im Allgemeinen in der jeweiligen Landessprache zelebriert. Das gilt mit Ausnahme einer Reihe heiliger Stätten, darunter die Grabeskirche und die Geburtskirche, wo die Messe und andere Gottesdienste nach wie vor in der lateinischen Sprache abgehalten werden.

Die maronitische Kirche ist eine christliche Glaubensgemeinschaft syrischen Ursprungs. Der Großteil ihrer Mitglieder lebt im Libanon. Seit 1182 gehört sie der römisch-katholischen Kirche an und ist somit die einzige rein katholische Kirche des Ostens. Als unierte Körperschaft (eine an die römisch-katholische Kirche angegliederte Ostkirche, die ihre jeweilige Sprache, ihre Riten und ihr kanonisches Recht beibehält) besitzt sie ihre eigene Liturgie, einen antiochenischen Ritus in altsyrischer Sprache. Die meisten Mitglieder der maronitischen Gemeinde Israels leben in Galiläa. Das maronitische Patriarchalvikariat in Jerusalem wurde 1895 gegründet.

Die (melkitische) griechisch-katholische Kirche entstand 1724 in Folge eines Schismas in der griechisch-orthodoxen Kirche von Antiochien. (Der Begriff »Melkit«, wörtlich »Royalist« leitet sich vom altsyrischen, westaramäischen Wort »Malko« ab, das soviel bedeutet wie »königlich« oder »König«. Es wird seit dem 4. Jahrhundert gebraucht und bezeichnete damals jene einheimischen Christen, die die »Glaubenssätze« des chalcedonischen Konzils angenommen hatten und dem kaiserlichen Stuhl von Konstantinopel verbunden geblieben waren.)

Eine griechisch-katholische Erzdiözese wurde 1752 in Galiläa eingerichtet. Zwanzig Jahre später wurden die griechischen Katholiken Jerusalems der Jurisdiktion des melkitischen Patriarchs von Antiochien unterstellt, der in Jerusalem durch einen Patriarchalvikar vertreten wird.

Die syrisch-katholische Kirche, eine unierte Splittergruppe der syrisch-orthodoxen Kirche, ist seit 1663 mit Rom verbunden. Die syrischen Katholiken haben ihren eigenen, in Beirut ansässigen Patriarchen. Seit 1890 dient ein in Jerusalem residierender Patriarchalvikar als geistiges Oberhaupt der kleinen örtlichen Gemeinde und der Gemeinde von Bethlehem. Im Juli 1985 segnete die Gemeinde ihre neue Patriarchalkirche in Jerusalem ein. Sie ist dem heiligen Thomas, dem Apostel der Völker in Syrien und Indien, geweiht.

Die armenisch-katholische Kirche trennte sich 1741 von der armenisch-orthodoxen Kirche, obwohl es schon zuvor im südanatolischen Cilicien eine seit der Kreuzfahrerzeit mit Rom verbundene armenische Gemeinde gegeben hatte. Da es ihm während der Herrschaftszeit der Osmanen verboten war, in Konstantinopel zu residieren, befindet sich die Residenz des armenisch-katholischen Patriarchen in Beirut. Ein Jerusalemer Patriarchalvikariat wurde 1842 gegründet. Obgleich diese Gemeinschaft dem römischen Kirchenbund angehört, unterhält sie gute Beziehungen zur armenisch-orthodoxen Kirche, und beide arbeiten zum Wohl der gesamten Volksgemeinschaft eng zusammen.

Die chaldäisch-katholische Kirche ist eine unierte Nachfolgerin der alten (assyrischen) Apostolischen Kirche des Ostens (die manchmal auch als nestorianische Kirche bezeichnet wird). Ihre Mitglieder haben den Gebrauch des Altsyrischen (Ostaramäischen) als liturgische Sprache beibehalten. Diese Kirche wurde 1551 gegründet, ihr Patriarch residiert in Bagdad. Im Heiligen Land zählt die Gemeinde nur einige wenige Familien, dennoch behält die chaldäisch-katholische Kirche auch hier den Status einer »anerkannten« religiösen Gemeinschaft bei. Seit 1903 werden die Chaldäer in Jerusalem durch einen Patriarchalvikar vertreten, der nicht ortsansässig ist.

Die koptisch-katholische Kirche unterhält seit 1741 eine Kirchengemeinschaft mit Rom. 1955 ernannte der unierte koptisch-katholische Patriarch von Alexandrien einen Patriarchalvikar zur Betreuung der kleinen Gemeinde, die damals in Jerusalem lebte.

Ein äußerst wichtiges Ereignis für die katholischen Kirchen im Heiligen Land war die Unterzeichnung eines Grundlagenabkommens zwischen dem Heiligen Stuhl und Israel am 30. Dezember 1993. In Folge dieses Abkommens kam es einige Monate später zur Aufnahme voller diplomatischer Beziehungen zwischen den beiden Staaten. 1997 unterzeichneten Israel und der Vatikan eine weitere Vereinbarung, die den rechtlichen Status der katholischen Kirche in Israel regelt.

Author: Yishai Eldar

Mit freundlicher Unterstützung des: Ministry of Foreign Affairs - The State of Israel



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