Die nichtchalcedonensischen-orthodoxen Kirchen

Bei den nichtchalcedonischen orthodoxen Kirchen handelt es sich um Kirchen des Ostens (die armenische, koptische, äthiopische und die syrische Kirche), die sich seinerzeit geweigert hatten, die 451 vom Konzils von Chalcedon verabschiedeten Dogmen anzuerkennen. Einer dieser Lehrsätze betraf die Beziehung zwischen den Jesus zugeschriebenen menschlichen und göttlichen Eigenschaften.

Die armenisch-orthodoxe Kirche entstand bereits im Jahr 301, als die Armenier als erstes Volk das Christentum annahmen. Eine armenische Glaubensgemeinschaft in Jerusalem gibt es seit dem 5. Jahrhundert. Armenische Quellen bestimmen das Jahr 638 zum Gründungsdatum des ersten Patriarchats – nach einer Stiftungsurkunde des Kalifen Omar an den Patriarchen Abraham. Das armenische Viertel in der Jerusalemer Altstadt existierte bereits zur Kreuzfahrerzeit. Vom Ende des 19. Jahrhunderts an, insbesondere jedoch während des Ersten Weltkriegs und der Zeit unmittelbar danach, ist die Mitgliederzahl der lokalen Gemeinde auf Grund des starken Flüchtlingszustroms erheblichen gewachsen.
Die Wurzeln der koptisch-orthodoxen Kirche liegen in Ägypten, wo ein Großteil der Bevölkerung während der ersten Jahrhunderte n. Chr. zum Christentum konvertierte. Der koptischen Überlieferung zufolge kamen die ersten Gemeindemitglieder zu Beginn des 4. Jahrhunderts nach Jerusalem – mit der Heiligen Helena, der Mutter des Kaisers Konstantin. Sehr früh schon beeinflusste diese Kirche die Entwicklung des Mönchstums in der Judäischen Wüste. Zur Zeit der Mamelucken (1250-1517) und später noch einmal 1830 unter Mohammed Ali erlebte die Gemeinschaft eine Blütezeit. Seit dem 13. Jahrhundert wird der (koptische) Patriarch von Alexandrien in Jerusalem von einem ortsansässigen Erzbischof vertreten. Die äthiopisch-orthodoxe Kirche ist spätestens seit dem Mittelalter und vielleicht sogar schon zuvor durch eine Jerusalemer Gemeinde vertreten.

Frühe Kirchenhistoriker berichten bereits im 4. Jahrhundert von äthiopischen Pilgern im Heiligen Land. Mit Sicherheit lässt sich feststellen, dass die äthiopische Kirche in den darauf folgenden Jahrhunderten an den heiligen Stätten bedeutende Rechte genoss, von denen sie jedoch unter der Herrschaft der Osmanen – vor der Erklärung des Status quo – einen Großteil verlor.

Heute ist die äthiopisch-orthodoxe Kirche in Israel eine kleine, von einem Erzbischof geleitete Gemeinschaft. Sie besteht vorwiegend aus einigen Dutzend Mönchen und Nonnen, die in der Altstadt von Jerusalem, im Kloster der äthiopischen Kathedrale und im Westteil der Stadt zuhause sind. Hinzu kommt eine kleine Laiengemeinde. Seit der Wiederaufnahme der diplomatischen Beziehungen zwischen Israel und Äthiopien im Jahre 1989 hat die Zahl der christlichen Pilger aus Äthiopien zugenommen, vor allem zur Weihnachtszeit und während der Osterfeierlichkeiten.

Die syrisch-orthodoxe Kirche ist die Nachfolgerin der antiken Kirche von Antiochien sowie eine der ältesten christlichen Konfessionen im Nahen Osten. Zu ihren Traditionen zählt der kontinuierliche Gebrauch der altsyrischen Sprache (Westaramäisch) in Liturgie und Gebet. Ihre Mitglieder sind auch unter der Bezeichnung Jakobiten bekannt (nach Jakob Baradai, der die Kirche im 6. Jahrhundert organisierte). Geistiger Führer dieser Kirche ist der in Damaskus lebende Patriarch von Antiochien und dem gesamten Orient. Seit 793 gab es auch in Jerusalem wiederholt einen syrisch-orthodoxen Bischof, auf Dauer ist dies seit 1471 der Fall. Heute wird die einheimische Gemeinde von einem Erzbischof geleitet, der im Jerusalemer St.-Markus-Kloster residiert.

Author: Yishai Eldar

Mit freundlicher Unterstützung des: Ministry of Foreign Affairs - The State of Israel


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